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50 Jahre St. Stephanus

 Zur Kirchengemeinde gehörten 1962 die Gemeinden Großostheim, der OT Ringheim, Pflaumheim, Wenigumstadt, Niedernberg und der Aschaffenburger Stadtteil Nilkheim.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und danach kam es in Großostheim zu einer größeren Ansammlung evangelischer Christen. West– und Ostpreußen, Pommern und Schlesier fanden hier eine neue Bleibe.

Die Großostheimer Protestanten gehörten zunächst, wie schon vor dem Krieg, zur Kirchengemeinde Aschaffenburg (Christuskirche). Von dort erhielten sie seelsorgerische Betreuung, allerdings ohne Gottesdienstangebot. Deshalb wuchs bei den Gemeindegliedern der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. Mit großem Engagement wurde dieses Vorhaben verwirklicht. Am Sonntag dem vierten Advent, 23.12.1962 konnte die evangelische Stephanuskirche eingeweiht werden. Gemeindehaus und Pfarrhaus konnten in der zweiten Hälfte 1963 - jedoch mit gravierenden Baumängeln, wie sich später herausstellte - fertig gestellt und gesegnet werden.

In seiner Predigt zur Weihe der Stephanuskirche sagte Oberkirchenrat Koch: "Der Kirchbau hat erst begonnen." Nach dem äußeren Gebäude müsse nun der eigentliche, der innere Kirchbau beginnen, der an den Herzen und Seelen der Gläubigen.

Mit Datum vom 6.5.1963 wurde Pfarrer von Czettritz und Neuhaus, "die in Errichtung befindliche Pfarrstelle Großostheim" übertragen. Im Juli 1964 kam es zur ersten Kirchenvorstandswahl. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Vorstand des Kirchbauvereins die Funktion eines Kirchenvorstands in Großostheim wahrgenommen.

In den folgenden Jahren begann der innere Aufbau der Kirchengemeinde. Dazu dienten die regelmäßigen Gottesdienste, sowie vielerlei Veranstaltungen, Vorträge, Ausflüge und dergleichen. Bei Glaubens-gesprächen, wie etwa im Herbst 1963 innerhalb einer so genannten "Evangelischen Woche", mit einem ständig ansteigenden Zuhörerkreis, stellte der Redner allabendlich neu die Frage: "Was glauben wir eigentlich?". Im darauf folgenden Jahr lief über etliche Wochen eine Reihe "Glaubenslehre für Erwachsene". Hierbei ging es um Grundfragen des christlichen Glaubens. Ausspracheabende für Mütter waren im Angebot; z.B. " Wie reden wir mit unseren Kindern sachgemäß von Gott?" Bei Veranstaltungen über diakonische Arbeitsgebiete der Kirche wurde auch das Verhältnis von "Frommsein und Nächsten-liebe" angesprochen. Dazu gab es Gemeindeausflüge nach Neuendettelsau und in die Johannes-Anstalten Mosbach. Besonders im Vorfeld von Bundes- bzw. Landtagswahlen gab es Ausspracheabende mit Politikern aller Parteien." Evangelische Christen fragen evangelische Politiker". Bisweilen folgten harte Diskussionen. Auch ein Missionsfest mit der" Herrenhuter Mission" lenkte den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus.Gemeindefeste, Adventnachmittage und dergleichen trugen zum Zusammenwachsen bei.

Einen zentralen Platz im Leben christlicher Gemeinden hat der Gottesdienst. In der Stephanuskirche wurde sonntäglich Gottesdienst gehalten, in den Außenorten, Ringheim und Nilkheim blieb es beim Rhythmus von 14 Tagen. Ab der Passionszeit 1964 reihte sich auch Niedernberg in den gottesdienstlichen Reigen ein, dreiwöchig um 14:00 Uhr, später um 7:45 Uhr. In den Außenorten wurden die Gottesdienste in Räumen der Schulen gehalten. Neben den normalen Sonntagsgottesdiensten gab es Festgottesdienste mit besonderer Ausgestaltung, ferner gab es Passionsgottesdienste, Gebetsgottesdienste und Familiengottesdienste. Natürlich wurde auch der "Weltgebetstag der Frauen" gefeiert. Im Frühjahr 1966 beschloss der Kirchenvorstand: "an jedem ersten Sonntag im Monat beginnt der Gemeindegottesdienst erst um 10:30 Uhr. Zur gleicher Zeit ist im Gemeindehaus Kinderbetreuung“. Damit mussten auch in den Außenorten die Anfangszeiten entsprechend verändert werden: Nilkheim 9:00 Uhr, Ringheim 8:45 Uhr. Mit der Selbstständigkeit der Kirchengemeinde Großostheim feierten die ersten Konfirmanden ihre Konfirmation  1963 erstmals in der Stephanuskirche. Am Ewigkeitssonntag griff man den andernorts üblichen Brauch auf, die Verstorbenen des Jahres zu verlesen und ihrer zu gedenken. In der Passionszeit gab es das Angebot Haus- bzw. Krankenabendmahl zu erbitten. Davon wurde reger Gebrauch gemacht. Der Kirchenbote von 1967 berichtet von 42 Hausabendmahlen.

Bereits im Juni 1959 wurde ein Kirchenchor gegründet. Ab 1963 übernahm Eberhard Mettke die Chorleitung. Damit wurde aus dem einstimmigen Singkreis ein Kirchenchor, der sich sogar an Kirchenkonzerte heranwagte. Anstoß für die Gründung eines Posaunenchors war ein Lichtbildervortrag über Bethel 1962. Dankenswerterweise stellte sich Hans Hoffmann spontan zur Verfügung die interessierten zu unterweisen. Der Chor entwickelte sich zusehends und konnte 1972 auf ein zehn jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Ereignis wurde mit einer geistlichen Abendmusik gebührend gefeiert. In ihr dankte man auch den beiden Organisten von Nilkheim und Großostheim. Zu diesem Zeitpunkt versah diesen Dienst Herr Meynle in Nilkheim bereits seit 25 Jahren. Frau Ursula Filter(geb. Orgzall) mehr als zwölf Jahre. Sehr erfreulich war die große Bereitschaft zur Mitarbeit. Einen festen Mitarbeiterkreis bildeten die Gemeindehelferinnen. Sowohl Mitglieder des Kirchbauvereins, als auch die Kirchenchorsänger setzten sich aktiv mit ein. Mit der Selbstständigkeit der Kirchengemeinde wurde Frau Mettke als Bürokraft stundenweise angestellt. Sie versah diesen Dienst bis zum Weggang von Pfarrer Czettritz und Neuhaus bis zum September 1972. Danach übernahm die Stelle der Pfarramtssekretärin Frau Maria Ludwig.

Während anderen Orts der Zuzug Andersgläubiger häufig zu Konflikten führte, entwickelte sich dies in Großostheim zu einem brüderlich – christlichen Miteinander. Dem katholischen Geistlichen Hugo Müller ist es zu verdanken, dass wir für den geplanten Kirchbau die notwendigen Grundstücke erwerben konnten. Gemeinsame Segnungshandlungen bei Einweihungen neuer Gebäude wurden zur Selbstverständlichkeit. Man lud zu gemeinsamen Vorträgen ein. Im Blick auf die Veränderung im katholischen Mischeherecht vom 1.01.1970 wurde ein gemeinsamer Brief an die in konfessioneller Mischehe lebenden Gemeindeglieder verfasst. Im Frühjahr 1972 erließ die" Irische Passion" den Aufruf, nordirischen Kindern einen Ferienaufenthalt in der Bundesrepublik zu ermöglichen. Gemeinsam mit den katholischen Pfarrern wurde dem Ersuchen entsprochen. Die Fahrtkosten wurden übernommen und vier von neun Kindern in Großostheimer Gastfamilien untergebracht. Drei Wochen verlebten die Kinder ohne Krieg und Feindseligkeiten in der Marktgemeinde. Unter anderem feierten sie mit uns einen ökumenischen Gottesdienst. Sie sollten so erfahren, wie Katholiken und Evangelische sehr wohl miteinander beten können.

Im Frühjahr 1973 trat Pfarrer Eckart Galler die vakante Pfarrstelle an . Zu dieser Zeit bestanden in der Gemeinde Jungschargruppen, Kirchen- und Posaunenchor, sowie ein Kreis von Gemeindehelferinnen. In den Gemeinderäumen wurde täglich (vormittags) Kinderbetreuung durchgeführt. Die Kreise und Gruppen hatten einen eigenen Leiter. Nebenamtliche Organisten, Mesner sowie ein reger Kirchenvorstand unterstützten die Arbeit. Die Kirchengemeinde Großostheim zählte damals 1600 Gemeindeglieder. Sonntäglicher Gottesdienst in Großostheim und im vierzehntägigem Wechsel in Nilkheim und Ringheim, sowie alle drei Wochen in Niedernberg wurden gehalten. Gewünscht wurde ein Pfarrer, der die verzweigte, aufgeschlossene Diasporagemeinde weiter seelsorgerlich aufbauen sollte.

Pfarrer Galler wurde am 15.04.1973 durch Dekan Johannes Merz in der St. Stephanuskirche eingeführt. Er blieb bis 1992 – eine relativ lange Zeit. Ordnungsgemäß wies er zwischenzeitlich (in Zwei-Jahres-.Abständen) den KV jedoch immer wieder darauf hin, dass dieser das Recht habe, seine Ablösung bei der Landeskirche zu beantragen. Davon wurde allerdings nie Gebrauch gemacht. In den 19 Jahren, in denen Pfarrer Galler die Pfarrstelle inne hatte, entwickelte sich das Gemeindeleben weiter. Ein sehr reger Seniorenkreis, der sich monatlich mit immer wechselnden Themen beschäftigte, wurde bereits 1973 gegründet. Jugendkreise, Frauenkreise, Flötenkreis und die „gruppe junge musik“ wurden in dieser Zeit aufgebaut. Pfarrer Galler übernahm zeitweise auf Dekanats- bzw, auf GKV-Ebene noch folgende Aufgaben: Seminarleiter für Religionsunterricht, Koordination des RU, Geschäftsführer des „Evangelischen Bildungswerks Untermain“, Redaktion der Kolumne „Kreuzwort“ im „Main-Echo“, Herausgeber des GKV-Gemeindebriefes, Jugendpfarrer. Mentor für sechs Lehrvikare: Andreas Dietz, Michael Thein, Adam Weiner, Susanne Müller, Lorenz Münderlein und Anne-Braunschweig-Gorny.

Ein großes Anliegen war Pfarrer Galler die sonntägliche Verkündigung . Die Feier des Abendmahls wurde in seiner Amtszeit in den Gottesdienst integriert und nicht mehr „im Anschluss“ gehalten. Ihr wurde eine allgemeine Beichte vorangestellt. Zudem wurden als "Zielgruppen-Gottesdienste“ in regelmäßigen Abständen ab Mai 1974 Familiengottesdienste gefeiert. Die neue Form bezog Kinder und Eltern zusammen im Hauptgottesdienst ein. Es wurden nicht wie bisher die Kinder in der Zeit des Gottesdienstes „betreut“. Diese Gottesdienste waren zugleich immer „Themen-Gottesdienste" und wurden manchmal im Team vorbereitet. In den Festzeiten konnte dies bis hin zu "Kinderkantaten" gedeihen. Krippenspiele wurden in der Adventzeit zur Selbstverständlichkeit. Eine besondere Zielgruppe waren Jugendliche, die ab Juni 1976 zum "Gottesdienst mit jungen Leuten" eingeladen wurden. Diese Form wurde besonders von der "gruppe junge musik“ getragen, die zehn Jahre bestand. Ein Höhepunkt für diese Gruppe war die Teilnahme als Anbieter auf dem Kirchentag 1979 in Nürnberg. Hier gestalteten sie einen "szenischen Gottesdienst". Eine Bereicherung waren darüber hinaus Gottesdienste, die speziell vom Frauenkreis, von den Senioren, dem Kindergarten oder auch vom Kirchenvorstand vorbereitet wurden. Unvergesslich blieb bei vielen Teilnehmern der Gottesdienst mit "Sternenzelt" in der Weihnachts- und Epiphanias-Zeit 1980/81. Einem 1985 gestartete Versuchsballon zusätzlich einen Samstags- Abend Gottesdienst zu halten, ging schnell die Luft verloren. Es kamen wenige - und die fehlten dann am Sonntag. Ebenso kurzlebig war die „Osternacht". Zu den gottesdienstlichen angeboten gehörten seit Bestehen der Kirche Wochengottesdienste in der Passionszeit. Eine Neuerung für die gesamte Region war schließlich 1981 die jährliche "Andacht zur Todesstunde Jesu" am Karfreitagnachmittag. Kindergottesdienst war eingeführt und wurde weiter an den beiden Hauptorten gehalten. Die Mitwirkung von“ Laien“ im Gottesdienst war schon seit längerer Zeit Anliegen der Kirchenleitung und der Gemeinden. Infrage kam dabei die Übernahme von Teilen der gesprochenen Liturgie (Lesungen, Gebete) aber auch die Aushilfe im Predigtdienst mit Lesepredigt. Am 26.12.1977 wurden die Herren, Herbert Hawemann, Walter Ludwig und Christian Ludwig sowie Dr. Roderich Machann als erste Lektoren in Großostheim durch Dekan Merz eingeführt. Liturgische Dienste übernahmen später Frau Steiner, Frau Kupferer, Herr Schebendach und Herr Seeger. Es spricht für die Aufgeschlossenheit der Gemeinde, dass alle diese Neuerungen ohne Aufregung akzeptiert wurden.

Orgeldienste übernahmen weiterhin Herr Meynle und Frau Ursula Filter (geb. Orgzall). Daneben waren im Einsatz Herr Friedemann Liebisch, die Ehefrau des Pfarrers Edith Galler, Frau Gertrud Küspert und  Sandra Pohley.

Den Mesnerdienst versah in Nilkheim das Ehepaar Koss, dann die Familie Oestreich. In St. Stephanus hatte dieses Amt von 1974-1984 Herr Horst Semler inne, danach Herr Heinz Köritz und kurzfristig Carsten Galler. Seit 1992 ist Frau Angelika Valculescu Mesnerin.

Der Kindergarten war eine stete Bereicherung des Gemeindelebens. Kindergartenkinder führten in Familiengottesdiensten und bei Gemeindefesten kleine Singspiele und andere Aufführungen auf. So sammelte die Maus Frederick „Farben für den Winter“, der „größte Zirkus der Welt“ gastierte bei einem Gemeindefest und auch eine Reise um die Welt wurde vom Kindergarten veranstaltet. Bis 1977 leiteten den Kindergarten Frau Brigitte Kupferer und Frau Barbara Ludwig. 1977 wurde Frau Irmtraud Smejkal als Erzieherin eingestellt. 1986 baute die politische Gemeinde den Kindergarten „An der Dreschhalle“. Die im evangelischen Kindergarten angemeldeten Kinder wechselten hinüber. Frau Smejkal wurde dankenswerter Weise als Leiterin übernommen. Dennoch war der Verlust dieser Betreuung im evangelisch- christlichen Sinn zu bedauern. Erfreulich harmonisch war die Zusammenarbeit von Pfarramt, Kindergartenleitung und Elternbeirat. Letzterer hat sich in umfangreicher Eigenarbeit stets für Ausbau und Erhaltung von Spielgeräten und bei Festen eingesetzt.

Ökumene wurde in Großostheim gelebt. "Ut unum sint“ – damit sie eins seien“ - dieser Wunsch Jesu Christi steht auf dem Altarkreuz der Stephanuskirche, ein Geschenk der katholischen Kirchengemeinde Großostheims. Zur Erfüllung dieses Anliegens gab es vor, aber auch nach 1972/73 viele Anstrengungen. Regelmäßig stattfindende "Welt Gebetstage der Frauen" fanden abwechselnd in beiden Kirchen statt. In Großostheim war dafür Frau Inge Machann federführend. Das Verhältnis zwischen den Pfarrern war stets spannungsfrei. Am Tag der Konfirmation wurde in der katholischen Kirche der evangelischen Konfirmanden in der Fürbitte gedacht. Am 25.1.1981 hielt der katholische Pfarrer Norbert Geiger die Predigt in der Stephanuskirche. Die Folgezeit brachte öfter Kanzeltausch bei ökumenischen Gottesdiensten. Tradition wurde ab 1981 zudem ein „ökumenischer Kreuzweg“ in der Passionszeit.

1981 vereinbarten die katholischen und evangelischen Gemeinden, dass in einem Bezirk um die Stephanuskirche evangelische Sternsinger sammeln durften.

Ökumene hat auch noch andere Facetten. So wurde der Kontakt zur syrisch – orthodoxen Kirche gepflegt - bis hin zu gemeinsamen Gottesdiensten (1987). Auch die griechisch – orthodoxe Gemeinde war in St. Stephanus zu Gast. Gemeinsame Gottesdienste an der Wendelinus-Kapelle an Christi Himmelfahrt, mitgestaltet durch italienische, katholische Christen, waren eine ständige Einrichtung. In Zusammen-arbeit aller Kirchengemeinden mit der Marktgemeinde wurde 1978 ein Krankenpflegeverein gegründet. In dieser Einrichtung der Caritas war Pfarrer Galler stets 2. Vorsitzender des Vereins.

Besondere Events waren zum 15 jährigen Jubiläum 1977 die damalige Predigt von Kreisdekan OKR Rudolph Meiser, sowie die Herausgabe eines Kalenders mit Bildern gemeindlicher Ereignisse zum 25. Jubiläum 1987. Am 8.4.1990 wurde zum ersten Mal die Idee aufgenommen und "Silberne Konfirmation" gefeiert.

An den Kirchentagen in Frankfurt (1975), Berlin (1977) und Nürnberg (1979) nahmen Gemeindeglieder teil. Den Schwanbergtag besuchten die "Großostheimer“ nur 1984.

1976 nahm die Gemeinde an einer regionalen Evangelisation in und um Aschaffenburg teil. Eine intensive Hinführung zum Glauben war auch die gut gelungene Kinderbibelwoche mit Frau Christa Wollschläger im Jahr 1976. Sie fand später regelmäßige Fortsetzung. 1984 gestaltete der Kirchenvorsteher Friedemann Liebisch den "Raiffeisen-Kalender“ mit Landschaftsbildern aus der näheren Umgebung. Zu diesen Zielen wurden monatliche Wanderungen unternommen. Das Jahr 1987 brachte eine Ikonen – (Verkaufs-) Ausstellung im Gemeindesaal.

Veranstaltungen und Gottesdienste wurden im Schaukasten an der Kirche und an der Post sowie in den örtlichen Mitteilungsblättern veröffentlicht.

In die Amtszeit von Pfarrer Galler fällt auch die 1981 vorgenommene Neugliederung -  Nilkheim fiel zur Aschaffenburger Kirchengemeinde St. Lukas, Leider. Die Gemeindezahl sank auf 1400 Gemeindeglieder, stieg aber in den folgenden Jahren, durch die Ausweisung neuer Baugebiete in Großostheim, Ringheim und Niedernberg stetig an. Die Kirche, noch 1962 am Ortsrand gelegen, liegt heute inmitten eines Neubaugebiets. Durch Zuzug evangelischer Christen beträgt die heutige Gemeindegliederzahl über 2400.

Die Wenigumstädter evangelischen Christen haben in der Kirchengemeinde einen besonderen Status. Zwar gehören sie politisch zur Gemeinde Großostheim sind jedoch seit früheren Zeiten (Mosbach grenzt direkt an Wenigumstadt an) nach Hessen orientiert. Sie besuchten schon immer den Gottesdienst in Hessen, ließen ihre Kinder dort taufen und konfirmieren. Allerdings waren sie durch die Eingemeindung nach Großostheim im eigentlichen Sinne Gemeindeglieder von St.Stephanus. Dies hatte juristische Folgen als Pfarrer Galler bei einer KV-Wahl (wie auch sein Vorgänger) die Wenigumstädter nicht zur Wahl aufgefordert hatte. Eine Wahlanfechtung stand im Raum. Nach Darlegung des Sachverhalts wurde auf höchster Ebene zwischen der ELKB und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eine Vereinbarung getroffen, die alles so ließ, wie es war, nur das die evangelischen Wenigumstädter jetzt im KV Schaafheim einen Sitz (ohne Stimme) haben.

An Baumaßnahmen wurden in der Zeit von Pfarrer Galler erledigt: Einbau einer Zentralheizung im Pfarrhaus und Gemeindehaus, sowie Einbau einer Dusche (in Eigenregie), Einbau eines Dachfensters im Pfarrhaus und Wärmedämmung. Eindeckung der Kirche und aller Häuser mit Kupferblech. Innenrenovierung und  Neugestaltung der Altarwand und Einbau eines neuen Buntglasfensters in St. Stephanus.

1993 trat  Dr. Christian Weitnauer als dritter Pfarrer die Pfarrstelle Großostheim an. Die seelsorgerliche Arbeit wurde weitergeführt. Die Gottesdienstzeit in Großostheim wurde von 9.30 Uhr auf 10 Uhr verlegt. In Ringheim und Niedernberg nur noch einmal im Monat Gottesdienst gefeiert. Wir hatten nun Gastrecht in den jeweiligen katholischen Kirchen. Ansonsten blieb alles beim Alten. In dieser Zeit wurde das von der Marktgemeinde zur Verfügung gestellte Grundstück in Ringheim in Besitz genommen mit dem Wunsch, ein Gemeindezentrum zu errichten. Auf Grund rückläufiger Gottesdienstzahlen in Ringheim – die treuen Kirchgänger aus den Gründerjahren der St. Stephanusgemeinde starben allmählich weg – die neuzugezogenen hatten Autos und nutzen lieber die abwechslungsreicheren Angebote in Großostheim, wurde dieses Vorhaben – auch im Hinblick der enormen Kosten für Bau und Unterhalt – fallengelassen und das Grundstück an die politische Gemeinde zurückgegeben. Dafür wurde der Erweiterungsbau des Gemeindezentrums in Großostheim ins Auge gefasst. In der Vakanzzeit zwischen 2000/01 wurde dieses Vorhaben realisiert.

2001 zog Pfarrer Maximilian Hetzel mit Frau und drei Kindern in das überholte Pfarrhaus ein. Er blieb nur 2 Jahre in der Gemeinde, zog jedoch auf Grund seines jugendlichen Alters überwiegend junge Familien an. Die Konfirmationsgruppe war zahlenmäßig in diesem Jahr so groß, dass die Konfirmation in der katholischen Kirche St. Luzia in Pflaumheim gefeiert wurde. Dies führt bei vielen Gemeindegliedern zu bösen Verstimmungen. Es herrschte die Meinung vor, die jungen Leute sollten in die evangelische Gemeinde „hineinkonfirmiert“ werden, wenn nötig auch in zwei oder drei Konfirmationsgottesdiensten. Die eigene Kirche sollte bei so einem gemeindlichen Ereignis nicht leer stehen. In dieser Zeit fällt auch die Auflösung  des Posaunenchors aus Mangel an Mitgliedern, da vier Bläser wegen Studiums und Beruf wegzogen, einige Bläser aus Verärgerung über die Verlegung des Probentermins wegblieben und ein Mitglied aus Altersgründen ausschied.

Nach einem Jahr Vakanz fand die Kirchengemeinde in Pfarrerin Claudia Dürr und Pfarrer Thilo Walz ein Pfarrersehepaar, welches sich mit vollem Elan in die Gemeindearbeit stürzte und alle Erwartungen der Gemeindeglieder erfüllte. Kontinuierlich wurden alle Gemeindegruppen weitergeführt. Neu kamen monatliche Gottesdienste im Seniorenhaus St. Franziskus und der Seniorentagesstätte hinzu,

ein Kindergottesdienst- und ein Familiengottesdienst-Team gegründet. Monatlich wurden wieder Kindergottesdienste sowie Minigottesdienste für 2-4 jährige (3 mal im Jahr) angeboten. Einmal im Monat wird nun sonntags um 18 Uhr ein besonderer Gottesdienst (Taizé-Gottesdienst – mit neu gegründetem Team) und besonderem musikalischen Angebot angeboten. Der Gospelchor „The Good News“ konnte für die Kirchengemeinde gewonnen werden und bereichert seitdem das Gemeindeleben. Die eingeschlafenen Krippen (Sing)-Spiele an Weihnachten wurden wieder aufgenommen, und ein besonderer Gottesdienst am Reformationsfest mit anschließendem Luther-Dinner in den Jahreskreis integriert. Ebenso wurde die Feier der Osternacht mit gemeinsamem Frühstück mit Erfolg aufgenommen. Besondere Gottesdienste nach der Urlaubszeit „zum Ankommen“ werden liebevoll musikalisch gestaltet. Seit einigen Jahren am Nachmittag mit einer kreativen Ausstellung im Vorfeld. Dort bringt sich der neugegründete Kreis „Kukmal“ besonders ein. Dieser Kreis veranstaltet im Wechsel mit dem Stephanusverein Veranstaltungen für Erwachsene mit wechselnden Themen, unter anderem „Wein und Nicke??? “, „ ADHS im Erwachsenenalter“ „Bestattungskultur in Großostheim“ usw. Der frühere Kirchbauverein (jetzt St. Stephanus Verein e.V.) wurde wieder aktiviert. Er bereitet seit 2010 monatlich für Gemeindeglieder am letzten Freitag eines Monats ein Mittagessen mit Nachtisch und Getränke für 2,50 Euro. Angedacht für sozial Bedürftige – wird aber gerne von Alleinstehenden und auch Katholiken angenommen. Verstärkt werden Geburtstagsbesuche sowie Nachsorgegespräche nach Beerdigungen und Taufen gemacht. Die einzelnen Gruppen werden verstärkt in die Planung und Vorbereitung gemeindlicher Veranstaltungen eingezogen und die ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten mit einem musikalisch-kulinarischen Mitarbeiterdankabend und einem Geschenk besondere Anerkennung. Das zwischenmenschliche Klima ist deutlich verbessert, die Arbeit der Mitarbeiter wird honoriert und geschätzt. Es macht Freude mitzuarbeiten und zeigt sich auch in der wachsenden Anzahl von Ehrenamtlichen sowie der Bereitschaft, vor allem von Menschen im mittleren Alter, bei den kommenden KV-Wahlen zur Kandidatur anzutreten.

Zum Schluss bleibt festzustellen:

Die Gemeinde hat 50 bewegte Jahre hinter sich. Sie bleibt jedoch weiterhin mit Gottes Hilfe und Segen immer in Bewegung und Dank immer neuer Gemeindeglieder jung und dynamisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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